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Rezensionen

im Rahmen des Vine-Produkttesterprogramms

Walimex Pro LED 500 Versalight Bi Color

Viele Vorzüge - mit Bi Color auf Kosten der Leuchtstärke,
7. August 2017

DAS WICHTIGSTE ZUERST
Bei der Wahl des Modells sollte man unbedingt darauf achten, dass es sich hierbei um die Bi Color Variante handelt. Dieselbe Flächenleuchte wird von Walser in der Daylight-Variante angeboten. Das kann man leicht übersehen, selbst auf der Produktverpackung ist die Bezeichnung „Daylight / Bi Color“ abgedruckt, mit einem zusätzlichen Aufkleber „Bi Color“. Gleich bei beiden ist die Ausstattung mit 504 LEDs. Entscheidend ist aber, dass bei der Daylight-Version alle LEDs die Farbtemperatur 5.600 Kelvin erzeugen, was dem mittleren Wert einer Tageslichtsimulation entspricht. Bei der Bi Color Leuchte dagegen sind 252 LEDs auf 5.600 Kelvin und die anderen 252 auf 3.300 Kelvin eingestellt. Ist die Farbtemperatur am Gerät auf 3.300 Kelvin eingestellt, leuchtet somit nur die Hälfte der LEDs, dann in einem deutlich warmen, in Richtung Gelb gehenden Licht. Bei Einstellung auf 5.600 Kelvin gilt das gleiche, dann aber eben mit der Tageslichtqualität. Bei allen in 100-Kelvin-Schritten dazwischen liegenden Farbtemperaturwerten werden die LEDs beider Farbgruppen in unterschiedlicher Intensität aktiviert und mischen sich entsprechend, was eine individuelle Einstellung entsprechend den eigenen situativen Wünschen möglich macht. Aber nur ungefähr in der Mitte, vom Hersteller mit 4.200 Kelvin angegeben, was ich aus der Beobachtung auch bestätigen kann, leuchten die LEDs beider Gruppen so stark, dass sie zusammen genommen die maximale Leuchtkraft der Leuchte hervorbringen ( Das sind 2900 Lux bei einem Abstand von 1m). Die Wahloption bezüglich der Farbtemperatur geht also zu Lasten der Leuchtkraft. Wer sich ohnehin ausschließlich im Tageslichtbereich bewegen will, sollte sich deshalb sinnvollerweise für die Daylight-Variante des Modells entscheiden.

MOBIL – LEICHT - VARIABEL
Bisher habe ich ausschließlich zwei Softbox-Leuchten mit Energiesparlampen eingesetzt, die Tageslichtqualität erzeugen. Da ich diese auch weiterhin einsetzen möchte und mir aktuell nur eine LED-Flächenleuchte zur Verfügung steht, setze ich diese zur weiteren Verstärkung des Lichtvolumens ein. Das ist gerade bei der Porträt- und Innenraumfotografie von großem Vorteil. Ich habe hier zwei Wahlmöglichkeiten: Die Farbtemperatur auf 5.600 Kelvin zu stellen und die Tageslichtsimulation der Softboxen damit zu verstärken (wenn auch nur mit der halben Kraft der Leuchte), mit einem zusätzlichen Belichtungsquelle von vorne. Oder in bestimmten Situationen, in denen des passt und Sinn macht, eine wärmere Farbtemperatur einzustellen. Das ermöglicht es, auf der Basis des Tageslichts eine besondere atmosphärische Lichtstimmung zu erzeugen, z. B. in den Motivbereichen Vintage oder Christmas. Bei alleinigem Einsatz von LED-Flächenleuchten müsste mindestens eine weitere Leuchte hinzukommen, oder eher noch eine dritte, um ein vergleichbare Beleuchtungswirkung wie mit den herkömmlichen Mitteln zu erzielen.
Dass zunehmend mehr LED-Leuchten im Fotobereich zum Einsatz kommen, ist mir gut nachvollziehbar, die Vorteile liegen generell und auch bei dieser Leuchte erkennbar auf der Hand:
+ Sie sind vergleichsweise kompakt und leicht transportierbar
+ Die LEDs sind in der Regel sehr langlebig
+ Der Aufbau im Studio ist weniger aufwändig und sperrig, wenn mit Akkus gearbeitet wird. Ich habe, um diesen Vorteil zu nutzen, zwei NP-F970 kompatible Akkus bestellt sowie ein zusätzliches Lampenstativ.
+ Die Leuchten sind in der Regel dimmbar, was zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Bei vielen herkömmlichen Tageslichtlampen, konnte man bestenfalls die Hälfte der Lampen ausschalten.
+ Im Falle der Bicolor-Geräte lässt sich auch noch die Farbtemperatur variieren.

Die Versalight 500 bietet über diese generellen Vorzüge hinaus noch weitere nützliche Extras:
+ vier stufenlos verstellbare Klappen, mit denen der „Lichtkegel“ variiert werden kann
+ einen anschraubbaren Haltegriff, der der einfacheren Justierung am Stativ dient, mit dem aber auch z. B. eine zweite Person die Leuchte selbst halten kann, z. B. um sehr nahe ans Objekt heranzukommen
+ eine Diffusorscheibe, die allerdings nicht weiß, sondern eigentlich transparent, aber gekörnt ist, so dass die Farbtemperatur durch die Scheibe selbst nicht verändert wird. Die ganz softe Verteilung des Lichts wie bei anderen auch vom selben Hersteller erhältliche Flächenleuchten mit weiß-transparenter Diffusorscheibe wird hier nicht erzielt.
+ Eine Fernbedienung, die bei gleicher Einstellung der Gruppe und des Funkkanals wie am Gerät selbst die mobile Variation von Leuchtstärke und Farbtemperatur ermöglicht. Die mögliche Unterscheidung von Gruppen und Frequenzkanälen ist übrigens nur beim Einsatz mehrere Leuchten relevant, für eine einzelne ist das nutzlos.

OPTIMIERUNGSWÜNSCHE
Alles zusammen genommen sehe ich in dieser Flächenleuchte deshalb eine Bereicherung, die in einer Ergänzung meiner konventionellen Beleuchtungsausstattung besteht. Längerfristig kann ich mir auf Grund der offensichtlichen Vorzüge der LED-Technik auch eine vollständige Umstellung auf diese Art von Beleuchtung vorstellen. Dabei gibt es eine Reihe von zu bedenkenden Punkten, die hoffentlich durch die Weiterentwicklung der Technik optimiert werden können:
! Die Leuchten haben immer noch einen vergleichsweise hohen Preis. Allein zwei Leuchten in der Art dieses Modells kosten aktuell rund 400 Euro. Wenn je zwei Akkus und ein Stativ hinzugekauft werden, kommen jeweils noch einmal 100 ca. Euro hinzu, macht schon 600 Euro für eine Minimalausstattung mit zwei LED-Flächenleuchten, deren Vorzüge man vollständig nutzen will.
! Wenn es allein um die Leuchtkraft geht, ist eine sorgfältige Auswahl notwendig. Die Leuchtstärke geht bei den Bi Color Modellen wegen der Kombination zweier Arten von LEDs, die je nach Einstellung ihr Licht mischen, auf Kosten der Belichtungsstärke. Bei Modellen mit besonders hoher LED-Anzahl kann dies ausgeglichen werden, was bei einigen Modellen des Herstellers so auch beschrieben ist.
! In meiner Erwartung sollten die AAA-Batterien für die Fernbedienung sowie die beiden für den mobilen Betrieb der Flächenleuchte notwendigen Akkus im Lieferumfang enthalten sein. Der Betrieb ist zwar auch über das mitgeliefert Netzteil möglich, das im Übrigen nicht die angegebenen 5 m, sondern nur 2,80 m Länge besitzt. In der Praxis ist der Akkubetrieb aber einfach unkomplizierter.
! Leider ist im Lieferumfang keine Tragetasche oder Hülle enthalten. Das Gerät ist zwar recht kompakt, dennoch muss man es, zusammen mit Fernbedienung, Netzkabel und/oder Akkus, ja geschützt transportieren können. Dafür muss man sich allerdings eine improvisierte Lösung suchen.

© Bernhard Lux
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