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Rezensionen

im Rahmen des Vine-Produkttesterprogramms

Philips 5400 Serie EP5447/90 Kaffeevollautomat, 12 Kaffeespezialitäten (LatteGo Milchsystem) Matt-Schwarz/Verchromte Arena

Funktionsstarker, kompakter Allrounder: Damit machen auch Zubereitungen mit Milch wieder Spaß, 19. September 2020

Dieser neue Kaffeevollautomat gehört jetzt schon zu meinen Lieblingsgeräten, nachdem ich ihn in den vergangenen Wochen nutzen und schätzen lernen konnte. Für Privatanwender, für die er auch gedacht ist, wurde der Automat bewusst kompakt dimensioniert, allerdings mit einer Vielzahl durchdachter Funktionen und Zubereitungsoptionen ausgestattet, die kaum etwas zu wünschen übriglassen. Er ist zudem einfach und intuitiv bedienbar und bietet bezüglich der Reinigungsfunktionen, die erfahrungsgemäß bei Kaffeevollautomaten immer wieder im Zentrum des Interesses stehen, eine fortschrittliche Ausstattung. Das gilt vor allem für das ziemlich ungewöhnliche Milchsystem.

BAUWEISE UND MECHANISCHE HANDHABUNG

+ Der Automat ist durchaus platzsparend konstruiert, was den meisten Privatnutzern entgegenkommen wird. Die Anordnung der Komponenten ist dabei gut durchdacht, auch in Bezug auf einfache Handhabung der häufig verwendeten bzw. zu reinigenden Komponenten.
> Ungewöhnlich: der Wassertank bildet das rechte Seitenteil der Maschine, ohne durch einen weitere Außenhülle abgedeckt zu sein. Man kann ihn einfach über eine Schiene hinein- und herausschieben und da er halbtransparent ist, sieht man jederzeit den aktuellen Füllstand. Vorteil: Das Gerät ist in der Breite reduziert und man muss nicht die Display-Anzeige zum Nachfüllen abwarten. Nachteil: Optisch finde ich diese Lösung nicht so überzeugend, weil das ansonsten recht schick designte Gerät auf diese Weise ständig sein Innenleben zeigt. Vor mir aus hätte man die Breite durchaus noch erweitern können, v. a. auch die Breite des Wasserbehälters betreffend, der sehr schmal ausfällt und sich deshalb auch nicht so gut auswischen lässt.
> Praktisch: Die Brüheinheit ist anders als der Wassertank durch ein Türchen abgedeckt und grenzt direkt an den Tank an. Interessant ist, dass die Brüheinheiten markenübergreifend gleichartig zu sein scheinen. Ein nahezu baugleiches Teil kenne ich auch aus Vollautomaten anderer Hersteller. Wie auch immer, sie ist einfach herausnehmbar und kann unterm Wasserhahn gereinigt, sprich von Kaffeeresten befreit werden. Eine sinnvolle und die Lebenszeit der Maschine verlängernde Möglichkeit, die ich einmal pro Woche umsetze.
> Im Prinzip gut durchdacht ist auch eine Einheit, die von vorne herausgeschoben werden kann und die neben der Abtropfschale auch den Kaffeesatzbehälter aufnimmt. Da hat man unterhalb und vor der Brüheinheit den zur Verfügung stehenden Innenraum tatsächlich optimal ausgenutzt. Für den Nutzer bedeutet diese Einheit, dass man die eigentlich täglich notwendigen Routinearbeiten an einer kombinierten Geräteeinheit erledigen kann. Man zeiht diese Einheit heraus, gießt die gefüllte Abtropfschale über die integrierte Ausgießlasche aus und hebt den mittig eingelassenen Kaffeesatzbehälter heraus, um die Satz zu entsorgen. Natürlich: Ausgespült werden muss dann alles: Kaffeesatzbehälter, Abtropfschale und das metallene Abtropfrost, auf dem die Tassen abgestellt werden. Was mir auffällt: Sowohl der Satzbehälter als auch die Abtropfschale sind recht schnell gefüllt. Bei der in unserer Familie üblichen Zubereitungsmenge ist es deshalb täglich notwendig, beides zu leeren. Auf meiner Wunschliste zur Optimierung des Geräts steht deshalb: Ein etwas großzügiger dimensionierte Satzbehälter und nicht ganz so viel Spülwasser. Letzteres ist allerdings abhängig von den Einstellungen der Maschine, jedenfalls konnte ich bei anderen Automaten weniger Spülwasser feststellen. Außerdem: Das verchromte metallene Rost der Abtropfschale ist oberseitig glatt poliert, aber unterseitig an den Rändern und im Bereich der Ausstanzungen recht scharfkantig. Da man das Teil praktisch nach jeder Verwendung in die Hände nimmt, um es abzuwischen, wäre eine beidseitige Politur ohne scharfe Kanten von Vorteil.

+ Die äußere Form der Maschine gefällt mir, von der Sache mit dem Wasserbehälter abgesehen, sehr gut. Die Verbindung von schwarzem und chromglänzenden Kunststoff vermittelt einen angenehmen Eindruck. Auch das leicht hervorstehende und augenfreundlich angeschrägte „Cockpit“, sprich das Bedienfeld mit LCD Anzeige, Auswahl- und Einstellungsmenüs, verleiht dem Gerät ein modernes Aussehen und ist so sehr benutzerfreundlich geformt.
> Mich persönlich stört die überwiegend aus Kunststoff gefertigte Bauweise nicht, zumal ich bei ähnlichen Geräten auch langfristig nie einen Nachteil in der Kunststoffbauweise erkennen konnte. Ich meine, dass der weitgehende Verzicht auf Metallteile auch ein Grund dafür ist, dass gemessen an der Funktionsvielfalt des Geräts der Preis sich noch in Grenzen hält. Es mag sein, dass das Preisniveau von Kaffeevollautomaten generell etwas nach unten korrigiert wurde, aber auch vor einigen Jahren waren Geräte mit einer Außenhülle aus Metall auch schon deutlich teurer. Auf Funktionalität und Langlebigkeit hat das m. E. zwar keinen Einfluss, aber natürlich wirken Geräte aus z. B. Edelstahl insgesamt wertiger.
> Ein Nachteil der Chrom-Optik einiger hier verarbeiteter Kunststoffflächen ist, dass sie sich nicht ganz so gut reinigen lassen. Insbesondere bei der vor dem Satzbehälter platzierten Verblendung, die nach jeder Verwendung abgewischt werden muss, habe ich öfter Fingerabdrücke und Verunreinigungen gesehen, die erhöhten Reinigungsanstrengung erfordern.> > Der Satzbehälter und die Abtropfschale, beide aus schwarz glänzendem Kunststoff gefertigt, sind ebenfalls für Streifenbildung anfällig. Selbst mit etwas Spülmittel ist es nicht ganz einfach, sie blank zu polieren. Vielleicht liegt das am verwendeten Kunststoff. Bei anderen Geräten habe ich diese so jedenfalls noch nicht festgestellt.

+ Das Keramikmahlwerk scheint sehr gut zu funktionieren. Man kann das während des Mahlens am gleichmäßigen und verzögerungsfreien Geräusch hören. Überhaupt ist die Mahlfunktion problemlos. Man muss den Mahlgrad am Stellrad gar nicht anpassen, weil die Maschine das selbsttätig im laufenden Betrieb tut und kann sich allein auf die Auswahl der gewünschten Kaffeestärke über das Einstellungsmenü beschränken.
> Ähnlich wie schon beim Satzbehälter und der Abtropfschale würde ich mir bei dem Kaffeebohnenreservoir etwas mehr Volumen wünschen. Sehr viele Bohnen kann man nicht einfüllen, so dass Nachfüllen häufiger erforderlich ist, als ich es von anderen Geräten mit größerem Bohnenbehälter her kenne.

AUSWAHL, EINSTELLUNGEN UND BEDIENUNG

+ Gemessen am Funktionsumfang und der Zuverlässigkeit sowie Einfachheit der Bedienung ist dieser Automat eigentlich der beste, den ich bisher kennengelernt habe. Man hat eine große Auswahlmöglichkeit verschiedener Kaffeezubereitungen mit und ohne Milch und innerhalb einer Auswahl wiederum individuelle Einstellungsoptionen zu Kaffeestärke, Volumen an Kaffee bzw. an Milch, Häufigkeit des Malvorgangs und Anzahl der Tassen. Man kann bei den meisten Zubereitungen alternativ auch die Pulverkaffeefunktion auswählen – praktisch, wenn man zum Beispiel koffeinfreien Kaffee zubereiten möchte, für den ein extra Einfüllfach zur Verfügung steht. Über die Allgemeinen Einstellungen kann man u. a. zudem die generell gewünschte Temperatur anpassen, wobei „mittel“ schon ziemlich heiß bedeutet. Das ist gut, vor allem für diejenigen, die z. B. den Espresso auch richtig heiß genießen möchten.
> Das Bedienfeld zur Auswahl der gewünschten Zubereitungsform ist besonders prominent in der ersten Zeile angeordnet. Man sieht die am häufigsten verwendeten Zubereitungen auch mit kleinen Beispielabbildungen und Textbezeichnungen direkt vor sich, kann über eine „Weiter-Taste“ dann noch weitere Zubereitungsoptionen aufrufen und zwischen diesen auswählen. Die Tastenfelder sind flach in das Bedienfeld eingelassen, also keine Tasten im üblichen Sinne und erfordern einen gewissen Druck, eigentlich ein Vorteil, da man sich so nicht leicht vertippen kann. Es handelt sich nicht um einen Touchscreen wie man das inzwischen von mobilen Telekommunikationsgeräten kennt. Das bedeutet auch, dass man unterhalb des Zubereitungs-Auswahlfeldes mit Pfeiltasten navigiert und mit der Ok-Taste jeweils die gewählte Option bestätigt bzw. auch mit einer Zurück-Taste wieder zurückgehen und etwas korrigieren kann. Auf dieser zweiten Ebene steht keine „One-Touch“-Bedienung zur Verfügung. Ich finde das aber dennoch gut handhabbar.
> Die Navigation und das Einstellen individueller Optionen ist generell intuitiv handhabbar und weitaus weniger umständlich als bei manch anderem Gerät zur Kaffeezubereitung. Je nach Zubereitungsform sind nach der Auswahl des gewünschten Getränks über das Auswahlfeld oben nur 3-4 weitere Einstellungen (Kaffeestärke, Milchvolumen, Kaffeevolumen, Anzahl Tassen), die man nacheinander vornehmen und dann mit der „Enter“-Taste bestätigen kann. Kein großes Hin- und Her-Navigieren, einfach ein sukzessives Weiterdrücken von links nach rechts.
> Unter den allgemeinen Einstellungen kann man auch die Standby-Zeit einstellen. Nach Ablauf dieser Zeit führt die Maschine einen automatischen Spülzyklus durch, wie auch anfänglich nachdem man das Gerät eingeschaltet hat und es sich aufgeheizt hat. Darum muss man sich also gar nicht kümmern. Das Spülen des Milchsystems kann man dagegen durch eine eigene Taste manuell anstoßen.
> Der Ausfluss des Kaffees erfolgt über zwei Düsen, wie ich das auch von anderen Geräten kenne. Das ist ganz praktisch, v. a. wenn man kleine Espressotässchen füllen will und auf diese Weise zwei Tässchen gleichzeitig, mit je einem Strahl füllen kann. Die Höhe des Ausgusses kann mechanisch verändert und so der Höhe der Tasse angepasst werden.

DAS MILCHSYSTEM – ZUBEREITUNGEN MIT MILCH

+ Aus eigener Erfahrung, aber auch von anderen weiß ich, dass einen das ständige Reinigen der Kaffeeautomaten auf die Dauer nerven kann, da man dafür doch einige Zeit einplanen muss. Dazu gehören die Routinereinigung und -entleerung von Kaffeesatzbehälter und Abtropfschale, die vielleicht einmal wöchentlich durchgeführte manuelle Reinigung des Brühsystems und in noch größeren Abständen durchzuführenden Entkalkungs- und Entfettungsroutinen (gegen das Kaffeebohnenfett) mit entsprechenden Mitteln. Anleitungen und Empfehlungen für die Abstände kann man der Bedienungsanleitung entnehmen. Auch weist das Gerät selbst über das Display mit entsprechenden Warnungen bzw. Erinnerungen auf notwendige Maßnahmen hin. Besonders zeitaufwändig und zudem aus hygienischen Gründen unbedingt notwendig ist aber die Reinigung des Milchsystems. Ich kenne nicht wenige, die wegen dieses Aufwands auf Zubereitungen mit Milch lieber verzichten. Und selbst habe ich bei einem anderen Gerät die Erfahrung gemacht, dass nur eine Nachlässigkeit auf dem Gebiet zu Verklebungen im milchführenden System führen kann und die ganze Funktion damit außer Gefecht gesetzt werden kann. Man kennt die verschiedenen Lösungen: Mit innerhalb des Geräts verlaufenden Milch führenden Leitungen, mit außerhalb des Geräts über Silikonschläuche aus externen Milchgefäßen gezogener Milch, mit angedockten Karaffen oder angekoppelten Milchbehältern, von den auf verschiedensten Wegen die Milch parallel zum Kaffee in die Tasse geleitet wird. Meist ist das mit erhöhten Reinigungsaufwand und auch mit dem Einsatz spezieller Lösungen für die gründliche Spülung des milchführenden Systems verbunden. Diese Gerät von Philips ist auf diesem Gebiet wirklich fortschrittlich und integriert ein bestechend einfach aufgebautes und vergleichsweise leicht zu reinigendes Milchsystem, das vom Hersteller als LatteGo bezeichnet wird.
> Bei dem LatteGo System wird ein aus zwei Einzelteilen zuzüglicher einer losen Abdeckung, die zusammengesteckt werden, bestehender Milchbehälter einfach in die Milchaufschäumdüse des Geräts eingehängt. Alternativ kann an diese Düse auch ein klassischer Milchaufschäumer angesteckt werden, der im Lieferumfang der Maschine allerdings nicht enthalten ist. Ungewöhnlich und innovativ ist die Tatsache, dass bei diesem System keine milchführenden Schläuche oder Leitungen, weder innerhalb noch außerhalb des Automaten, zum Einsatz kommen. Es ist eine ausgeklügelte dünne Leitung, quasi eine Aussparung innerhalb v. a. des transparenten Kunststoffgefäßes, in das die Milch eingefüllt wird, über das die Milch aus dem Gefäß angesaugt, auf kurzem Weg an der Düse vorbei und in den Ausguss geleitet wird, der mit dem nicht transparenten zweiten Teil des kompakten Milchsystems verbunden ist.
> Je nach Zubereitungsform unterschiedlich stark aufgeschäumte Milch wird mit diesem bestechend einfachen System in derselben Qualität produziert, wie man das von anderen komplizierter konstruierten Systemen kennt. Der Unterschied besteht aber darin, dass sich dieses sehr viel einfacher und mit weniger Zeitaufwand reinigen lässt.
> Die Schnellreinigung des michführenden Kanals ist über eine Schnellreinigungsoption möglich. Dafür steht eine Taste auf dem Bedienfeld zur Verfügung. Bei Betätigung dieser Taste wird in wenigen aufeinander folgende Stößen heißes Wasser durch das System gedrückt, das Spülwasser sammelt sich im Inneren des Milchbehälters. Dazu sollte man vorher eventuell restliche Milch ausgießen.
> Theoretisch ist es möglich und wird als Möglichkeit in der Bedienungsanleitung auch so beschrieben, dass man übrige gebliebene Milch einfach in dem Behälter belässt und das System inklusive der Abdeckung bis zur nächsten Verwendung einfach im Kühlschrank lagert. Da aber mindestens die Schnellspülung durch die Maschine immer angeraten ist und das Spülwasser innerhalb des Behälters ausgegeben wird, scheint mir das praktisch eine eher abwegige Option.
> In der Regel ist es nach Nutzung des Milchsystems im Zusammenhang mit den manuellen Reinigungsroutinen auch sinnvoll, ebenfalls die beiden Kunststoffteile des Milchsystems manuell mit Wasser und etwas Spülmittel zu spülen. Ich denke, ohne dieses manuelle Spülen würden sich allzu schnell Milchreste, Verklebungen etc. im Inneren des transparenten Milchreservoirs und vor allem auch im Bereich des Ausgusses festsetzen, was unhygienisch ist und die Langlebigkeit des System sicher beeinträchtigen würde. Fazit im Gebrauch des LatteGo Systems ist deshalb, dass Reinigung, einmal mit der Schnellreinigung und einmal am Schluss auch zusätzlich manuell, zwar auch bei diesem System notwendig sind, insgesamt der Zeitaufwand dafür aber deutlich geringer ist als bei so manchem System anderer Hersteller.

FAZIT

Der neue Vollautomat aus dem Hause Philipps ist für uns ein echter Gewinn, weil Privatanwender mit ihm ein kompaktes, intuitiv bedienbares, mit großem Funktionsumfang, zahlreichen Zubereitungsmöglichkeiten ausgestattetes und insbesondere bei Zubereitungen mit Milch vergleichsweise einfach zu reinigendes Gerät zur Verfügung haben, bei dem der Genuss bevorzugter Kaffeespezialitäten auch langfristig nicht durch allzu großen Wartungs- und Reinigungsaufwand getrübt wird. Nur Kaffeevieltrinker werden u. U. dem kompakten Format geschuldete etwas kleiner dimensionierte Volumen für Kaffeebohnenbehälter, Kaffeesatzbehälter, Wasser und Abtropfschale beanstanden.

© Bernhard Lux
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