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Rezensionen

im Rahmen des Vine-Produkttesterprogramms

Mantona ElementsPro 50 Outdoor und Kamerarucksack grau/orange

Klasse Kamera- und Wanderrucksack mit mehr Stauraum – ergonomisch und vielseitig, 14. März 2017

Diesen Spezial-Rucksack habe ich schon beim ersten Einsatz schätzen gelernt. Das war eine mehrstündige Wanderung, auf der ich eine mittelgroße DSLR-Kamera, drei Wechselobjektive, ein zerlegbares Stativ, verschiedene Zubehörteile und eine Trinkflasche mitgeführt habe. Dieses Gepäck war problemlos, sicher und übersichtlich unterzubringen, wobei verschiedene Fächer und Staubereiche noch ungenutzt blieben. So hätten auch noch weitere Objektive in dem flexibel unterteilbaren Kamerafach Platz gefunden. In den obersten Stauraum hätte ein Anorak oder evtl. ein Pullover gepasst. Und bei zusätzlichem Bedarf bieten außen angebrachte Netze und Gurte weitere Möglichkeiten, Zubehör, Kleidung u. ä. anzubringen. Neben dem voluminösen und quasi in drei Etagen differenzierten Stauraum, der den Rucksack für Einsätze mit viel Equipment qualifiziert, sind es vor allem die ergonomische Bauart, das stabile Gerüst, die entlastende Verteilung des Gewichts, die bequeme Polsterung und viele gut durchdachte Details, die den Rucksack für mich zu einem echten Gewinn machen.

GEWICHT UND TRAGEKOMFORT
Vielleicht mit das Wichtigste, wenn es um längere Wanderungen geht. Dabei täuscht der mächtige Anblick: Der Rucksack wiegt trotz des verbauten Aluminiumrahmens unbeladen nur knapp über 2 kg. Mit meiner oben beschriebenen Ausrüstung kommen gut 4 kg hinzu, macht ca. 6,5 kg Gewicht, das zu tragen war. Wenn man das mit der Trageschlaufe in die Hand nimmt, ist es nicht ganz unerheblich. Zu meiner Überraschung wirkt das Gewicht auf dem Rücken getragen aber deutlich geringer. Ich denke, die Hersteller haben sich in diesem Punkt viele Gedanken gemacht, die spürbar Entlastung bringen. Meines Erachtens spielt dabei die leicht nach außen gebogene Form des Aluminiumrahmens eine wichtige Rolle. Der Rucksack liegt so nicht wirklich auf dem Rücken auf. Die Last spürt man vor allem an den Schultern, allerdings durch die nicht zu weich gepolsterten Schultergurte gut abgefedert, und im Bereich des Steißbeins, das quasi als unterer Stützpunkt dient. Im Nackenbereich und eben auf Steißbein-/Gesäßhöhe sind dicke Polsterungen angebracht, die Rückenlinie selbst ist mit einem netzartigen gespannten Trapez abgedeckt. Dadurch ist der Rücken selbst relativ frei, der eigentliche Rucksackinhalt mit einem kleinen Zwischenraum nach hinten verlagert. Ich bin selbst erstaunt, dass diese Konstruktion die Wirbelsäule offensichtlich schont, indem ein Teil der Belastung auf den unteren Körperbereich verteilt wird. Ich Vergleich zum Wandern mit einer diagonal über dem Schultergürtel getragenen Kameratasche, die ich bisher für diesen Zweck verwendet habe, kann ich sagen, dass die Ermüdung trotz eines größeren Transportgewichts mit dem Rucksack nicht größer ist und zusätzlich Verspannungen durch die gleichmäßigere Verteilung vermieden werden. Praktisch und zusätzlich stabilisierend sind die optional vor dem Bauch und vor der Brust zusammensteckbaren Gurtelemente, die weiteren Halt bieten.

MATERIAL UND DESIGN
Der Rucksack ist aus hochwertigen synthetischen Materialien gefertigt, die wasserabweisend, einfach abzuwischen und leicht sind. Deshalb auch das relativ geringe Eigengewicht. Auch die Gurte, die Steckverbindungen aus Kunststoff, die Netze, Reiß- und Klettverschlüsse wirken hochwertig und sind gut verarbeitet. Insbesondere die Steckverschlüsse sind mit zwei Fingern einer Hand leicht zu lösen und lassen sich zweihändig sehr leicht ineinanderschieben. Ein Manko sehe ich, wie eigentlich bei allen Fototaschen und -rucksäcken in der Steifigkeit der flexibel zusammensetzbaren Trennelemente der Kamerafächer. Die flexible Aufteilung mit Klettverschlüssen, die man z. B. von Kamerataschen gewohnt ist, scheint zwar sinnvoll und notwendig, um die Aufteilung auf die eigene Ausrüstung abzustimmen. Die Elemente an sich sind aber m. E. nicht steif genug. Wenn die Kamera mit aufmontiertem Objektiv bspw. bei einer Aufteilung in drei Ebenen in der mittleren untergebracht wird, halten die Trennelemente bzw. Abstandhalter der unteren dem Gewicht nicht Stand, wenn diese unteren nicht auch ausgefüllt sind. Der Sicherheit wegen würde ich mir stabilere Trennelemente wünschen, auch wenn dadurch möglicherweise ein paar Gramm Gewicht mehr anfallen. Das Problem sehe ich auch bei einem der Zwischenböden, speziell zwischen dem Kamerafach und dem darüber liegenden Stauraum, der für die Unterbringung eines Tablets vorgesehen ist. Für meine Begriffe hängt dieser Boden zu sehr durch, ist mir das Tablet gegenüber dem darüber und darunter platzierten Equipment nicht gut genug abgepolstert bzw. nicht stabil genug gelagert. Was die Trennwände selbst betrifft, würde ich mir einige mehr wünschen, was insbesondere dem gleichzeitigen sicheren Transport mehrerer Wechselobjektive zuträglich wäre.
Die orangefarbene Verblendung an der Oberseite der Schultergurte und über die gesamte Außenfront des Rucksacks macht im Kontrast zum Anthrazit-Grau des übrigen Rucksacks einen optisch reizvollen Eindruck. Der Rucksack wirkt dadurch sportlich und ist tatsächlich ein Hingucker.

HANDHABUNG
Auf den ersten Blick wirkt die Aufteilung des Rucksacks doch ziemlich kompliziert. So viele verschieden Steckverschlüsse, verstellbare Gurte, Gummizüge, Netze, Böden und Reißverschlüsse. Allerdings erschließt sich das Ganze relativ schnell und intuitiv bei der praktischen Verwendung. Die Vielfalt der Funktionselemente bedeutet eben auch vielfältige Anpassbarkeit auf die eigenen Bedürfnisse. Dabei wird jeder selbst entscheiden wollen, welche der Möglichkeiten er überhaupt nutzt. Zum Beispiel kann man auf den oberen sackartigen Stauraum auch verzichten, wenn man kein Kleidungsstück zu verstauen hat. Und auch auf den nicht unterteilten Raum in der Mitte und sich allein auf das Kamerafach beschränken, um Gewicht zu sparen. Bei Bedarf kann einer dieser Räume aber auch z. B. zum Unterbringen eines zerlegbaren Stativs verwendet werden, wenn man das nicht außen anbringen will. So ist der Rucksack je nach Tour und mitgeführten Utensilien für viele Situationen gerüstet. Besonders vorteilhaft in der praktischen Handhabung finde ich:
+++ die Tatsache, dass sich die Kamera herausnehmen lässt, ohne dass man dafür den Rucksack absetzt, indem man nämlich den rechten Schultergurt abstreift, den Rucksack allein am linken Gurt hält und dann beide Hände frei hat, um den umlaufenden Reißverschluss des Kamerafachs zu öffnen bzw. zu verschließen. Das ist eine Situation, die bei meinen Touren häufig vorkommt, wenn Fotophasen mit bloßem Wandern ohne Kamera sich abwechseln. So gestaltet sich der Workflow reibungsloser.
+++ die wirklich guten Schultergurte, die genau die richtige Festigkeit aufweisen, also auch nicht zu weich sind und dennoch die Last gut verteilen.
+++ die Geräuscharmut im Gebrauch. Tatsächlich quietscht das Material an den Reibungsstellen nicht. Für mich als geräuschsensiblem Menschen ein wirkliches Plus, da mich bei jedem Schritt hörbares Rascheln oder Quietschen bei so mancher Kameratasche schon wahnsinnig gemacht hat.

Etwas lästig finde ich dagegen:
- - - Die orangefarbene Außenverblendung ist zwar schick. Man muss aber jedes Mal die beidseitig angebrachten Steckverschlüsse öffnen, entweder oben, in der Mitte oder unten, je nachdem, auf welchen Stauraum man gerade zugreifen will.
- - - Die zwei Gummiprofile am Boden erlauben es erfreulicherweise, den Sack zwischendurch auch mal abzustellen. Das Problem ist, dass er dabei leicht nach vorne kippt, da durch die Biegung des Rahmens die vertikale Mittelachse nicht wirklich senkrecht steht. Deshalb muss man ihn zum Abstellen meist irgendwo anlehnen.
- - - Der Reißverschluss für die Tablet-Tasche im Bereich des Mittelbodens ist nur schwer flüssig zu bedienen. Da auch der Boden an sich m. E. nicht steif genug ist, werde ich diese Funktion sicher nicht nutzen.

INSGESAMT
Die wenigen funktionellen Haken wiegen gegenüber der Vielseitigkeit, guten Verarbeitung und den Vorzügen in der praktischen Handhabung des Rucksacks nur sehr gering. Ich bin sehr froh, das Teil zur Verfügung zu haben und kann es allen nur empfehlen, die bei längeren Touren mit mehr als nur einer Kamera-Objektiv-Einheit einen möglichst flexibel befüllbaren Rucksack mit viel Stauraum und ergonomischer Konstruktion nutzen wollen.

© Bernhard Lux
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