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Rezensionen

im Rahmen des Vine-Produkttesterprogramms

Kenwood Titanium Chef Patissier XL KWL90.034SI – Küchenmaschine mit integrierter Waage & 7 L Rührschüssel mit Wärmefunktion, 1400 Watt, inkl. 4-teiligem Patisserie-Set, silber

Innovative Küchenmaschine für die Feinbäckerei, weniger für schwere Beanspruchung, 25. Januar 2021

Diese Küchenmaschine mit einigen besonderen Funktionen hat uns nach einigen Einsätzen schon viel Freude gemacht. Sie ist nicht für jede Verwendung die beste Wahl, bietet aber allen, die sich der feineren Backkunst verschrieben haben, außerordentliche Möglichkeiten und auch praktisch einige Erleichterungen. Insofern kann man die Bezeichnung dieses Modells „Chef Patissier“ durchaus wörtlich nehmen. Es ist m. E. eine Maschine, die für die elegante Zubereitung leichter bis mittelschwerer Teige optimiert ist, nicht so sehr aber für schwere Beanspruchung gemacht ist. Die 1400 Watt sind zwar ordentlich, aber natürlich gibt’s aus Maschinen mit mehr elektrischer Leistung, auf die man eher zugreifen würde, wenn man z. B. regelmäßig mit Brotteig oder schweren Massen arbeitet. Zum Beispiel habe ich festgestellt, dass sie mit einer zähen, schweren Mandelmasse schon an die Grenze der Leistungsfähigkeit kommt, auch was die Stabilität der Mechanik angeht. Dazu gleich noch einige Details.

Was überwiegt sind sicherlich die Vorzüge, und davon gibt’s einige:

+ Die Maschine wird in einem gewaltigen Karton geliefert. Alles sorgfältig verpackt. Schon beim Auspacken merkt man, es handelt sich um ein schweres, erstklassig verarbeitetes Küchengerät, das schon rein optisch überzeugend wirkt. Die große insgesamt 7 Liter Volumen umfassende Schüssel aus außen poliertem und innen fein gebürstetem Edelstahl. Der grau lackierte Korpus mit Kippmechanik, ebenfalls aus Edelstahl. Und dann diese Rühraufsätze: Ein Schneebesen, ein massiver Edelstahl-Knethaken und ein ebenso schwerer für Rührkuchen geeigneter Aufsatz, zudem ein Aufsatz mit Gummilaschen, mit dem glatt gestrichene Massen wie geschmolzene Schokolade verarbeitet werden können.
+ Von der Verarbeitung und guten Materialqualität abgesehen, auch das Design ist gelungen. Die Maschine macht optisch einen sehr überzeugenden Eindruck, nicht zuletzt wegen des Kontrasts von polierten Edelstahlflächen und der lackierten Grautonoptik.
+ Ganz neu für mich bei einem Gerät dieser Art ist die digitale Bedienfunktion. Für alle, die den Umgang mit PC und Mobilgeräten gewöhnt sind, ist dies sicher recht einfach handhabbar. Man hat nach dem Einschalten ein Touchscreen-Feld, mit dem Grundeinstellungen definiert werden können und über das v. a. die Temperatur (falls benötigt), die Geschwindigkeit und die Zeit eingestellt werden können. Zudem können voreingestellte Programme direkt ausgewählt und gestartet werden, und man hat diese sagenhafte Wiege-Funktion. Die Navigation erfolgt über Tippen und Wischen auf dem Touchscreenfeld und über Drehen und Drücken an dem mechanischen Drehregler unterhalb des Touchscreens. Das eine oder andere in der Menüführung ist gewöhnungsbedürftig, wird nach einigen Verwendungen aber rasch zur Routine. Tatsächlich läuft die gesamte Steuerung über diese digitalen Bedienfelder. Zu den zwei ganz besonderen Funktionen:
+ Eine Riesen-Erleichterung und Innovation ist sicherlich die Wiegefunktion. Durch Wischen nach Links auf dem Touchscreen kann man die digitale Waage aktivieren, die gewünschte Gewichtseinheit wählen (hierzulande interessant: ml, mg) und am Display das jeweilige Gewicht ablesen. Man hat die Wahl, die Waage auf Null zu setzen oder sukzessive Zutaten in die Schüssel zu geben und die gewünschten Mengen sozusagen im Kopf dazuzurechnen und dies am angezeigten Gesamtgewicht orientiert zu kontrollieren. Natürlich ist das eine super Funktion. Man benötigt keine extra Waage und keine sonstigen Gefäße, sondern kann alle Zutaten auf diese Weise in der Rührschüssel selbst abwiegen. Das ist übrigens anders, als es einer der anderen Rezensenten angemerkt hat, auch während des Rührvorgangs möglich. Es wird zwar ein Warnhinweis angezeigt, der darauf verweist, dass zum exakten Wiegen die Maschine gestoppt werden sollte, aber wenn man diesen Hinweis wegklickt, ist es eben auch während des Rührens möglich, nur vielleicht nicht hundertprozentig exakt. Das ist auch gut so, denn viele Zutaten müssen ja sukzessive zugegeben werden, da wäre es lästig, ständig unterbrechen zu müssen. Wenn man den Rührarm nach oben wegklappt, passt sich die Anzeige auf dem Touchscreen übrigens so an, dass man immer gerade verlaufenden Text vor sich hat, sehr benutzerfreundlich und wirklich komfortabel.
+ Super ist ebenfalls die Erwärmungsfunktion. Tatsächlich haben wir das schon öfter genutzt, zum Beispiel zum Schmelzen der Butter, was bei vielen Kuchenrezepten angesagt ist. Gewöhnlich muss man das gesondert auf dem Herd erledigen, benötigt zudem ein weiteres Gefäß, muss die Butter anschließend wieder abkühlen lassen u. s. w. Solche Umstände hat man hier gespart, denn man kann die Temperatur in 9 Stufen wie gewünscht einstellen und die Zutat schmilzt schon in der Schüssel. In der Bedienungsanleitung gibt’s konkrete Tipps, welche Temperaturstufe bei welchen Zutaten empfohlen ist. Durch die Erwärmungsfunktion hat man viel weniger Aufwand und spart auch das Spülen externer Gefäße.
+ Erleichterung und Zeitersparnis können auch die voreingestellten Programme bieten. An erster Stelle der auswählbaren Programme steht das Schlagen von Eischnee – vermutlich nicht ohne Grund, denn das ist eine beim Backen häufig benötigte Funktion. Und tatsächlich, Geschwindigkeit (in dem Fall die Höchstgeschwindigkeit) und Dauer (in dem Fall 2 Minuten) sind vorgegeben und man kann sich auf diese Einstellungen verlassen. Der Eischnee ist nach den 2 Minuten tadellos steif und hat eine bessere Konsistenz, als wir das von Aufschlagen mit dem Handrührgerät bisher kennen. In solchen Funktionen, die natürlich die Wahl des richtigen Rühraufsatzes erfordern, sehe ich die Vorzüge einer solchen Spezialmaschine, bei deren Konstruktion man sich offenbar viele Gedanken über den tatsächlichen Bedarf eines Feinbäckers gemacht hat. Ein bisschen mitdenken muss man natürlich trotzdem. Der Eischnee ist ein solches Beispiel. Den muss man nämlich am Anfang schon schlagen und dann doch in einer extra Schüssel zwischenlagern, damit die Schüssel für die übrigen Zutaten wieder zur Verfügung steht.
+ Sehr vorteilhaft finde ich die hohe und mit 7 Litern voluminöse Teigschüssel. Die Rühraufsätze passen sich so exakt in die Schüssel ein, dass sie nur wenige Millimeter von der Schüsselhülle entfernt bleiben. Dabei wird alles gut aufgenommen und verteilt. Nur selten muss man mit einem Schaber, ein solcher ist übrigens mitgeliefert, nicht erfasstes Material nach unten schieben. Die innen aufgedruckte Volumenskale reicht bis 4,5 Liter. Das ist auch für umfangreichere Backvorhaben i. d. R. ausreichend. Die Schüssel ist so geformt, dass sich der Teig später sehr gut ausschaben lässt und nur wenige Rückstände bleiben.
+ Sehr komfortabel finde ich den Mechanismus zum Aufsetzen bzw. Entfernen der Rühraufsätze. Einstecken und leicht Drehen, bis es einrastet – das ist wesentlich leichter, als ich das von anderen Maschinen kenne. Eine Besonderheit ist, dass die Schüssel von oben durch einen Leuchtring um den Rührkopf herum beleuchtet ist. Abgedeckt werden kann die Schüssel durch einen Spritzschutz aus transparentem Kunststoff, der nach vorne eine Klappe integriert. Das macht es möglich, auch bei laufender Maschine und aufgesetztem Spritzschutz Zutaten sukzessive einzufüllen.

Es sind einige Ausstattungsmerkmale und Konstruktionsdetails, die mich an der ansonsten sehr geschätzten Maschine irritieren bzw. die bei anderen Geräten z. T. besser gelöst sind:

> Wie ich schon sagte, ist die Maschine schwer und sehr gut verarbeitet. Dennoch stelle ich bei sehr schweren Teigen fest, wie z. B. bei der erwähnten zähen Mandelmasse, dass insbesondere die Rührschüssel und mit ihr das ganze Gerät in eine Vibration gerät, wenn eine Geschwindigkeitsstufe gewählt wird, die oberhalb der minimalen Geschwindigkeit liegt. Und auch bei der Minimalgeschwindigkeit merke ich, dass die Maschine schwer zu arbeiten hat. Es sieht so aus, dass die 1400 Watt für bestimmte Teigsorten dann doch zu schwach sind. Aber das Vibrieren hat v. a. mit der Fixierung der Schüssel zu tun. Das Arretieren der Schüssel funktioniert zwar sehr komfortabel, durch Einsetzen in einer bestimmten Aussparung, drehen und einrasten. Aber man hat im Bereich der Arretierung einen gewissen Spielraum belassen, die Schüssel sitzt nicht unverrückbar, sondern lässt sich leicht hin und her wackeln. Ich vermute zwar, dass dies bewusst so gemacht wurde, aber bei schwereren Teigen entsteht so eben zu viele Vibration, die bei einem starren Dreh-Klemm-Mechanismus vermieden werden könnte.
> Weiterhin habe ich in diesem Zusammenhang die Erfahrung gemacht, dass die Geschwindigkeitsstufen nicht immer so gewählt werden können, wie es für den speziellen Teig notwendig und sinnvoll wäre. Bei dem schweren Rührkuchenteigaufsatz beispielswiese kann schon bei Geschwindigkeitsstufe 1 sehr viele Rotation entsteht, sobald der Teig eine etwas dickere Konsistenz hat. Auf der anderen Seite stehen für schwerere Teige nur die Minimalstufe der Dauergeschwindigkeitsskale und eine langsame Stufe auf der anderen Seite des Drehreglers zur Verfügung, auf der es eigentlich um Intervallrühren geht. Also eigentlich nur zwei langsame „Gänge“. Ich würde mir eine kleinteiligere Geschwindigkeitsabstufung oder besser noch eine stufenlose Geschwindigkeitseinstellung wünschen, mit der man die für die aktuelle Zubereitung optimale Einstellung wählen könnte.
> Ein Konstruktionsdetail, das im Zusammenhang mit dem erwähnten Spritzschutz steht, halte ich für optimierungsbedürftig: Der Spritzschutzaufsatz, der seitlich eingeschoben werden kann, ist verhältnismäßig flexibel und passt sich v. a. nicht exakt dem oberen Schüsselrand an. Bei Betrieb wackelt das Ganze etwas und bei Einfüllen durch die Klappe geraten allzu oft Zutaten zwischen Abdeckung und Schüssel, fallen also durch den Zwischenraum. Eine passgenaue und starre Anbringung des Spritzschutzes schiene mir angeraten. In der vorhandenen Form ist es wenig praktikabel und passt auch nicht zu der ansonsten so massiven und stabilen Bauweise des Geräts.
> Die Maschine ist um optionales Zubehör erweiterbar. Dabei ist ein Zubehörteil bei diesem Modell schon integriert, nämlich eine schwere Mixkaraffe aus Glas mit Deckel, der an einen Anschluss an der rechten Oberseite angekoppelt werden kann und der über dasselbe Bedienfeld wie das Rührgerät zu bedienen ist. Manchmal recht nützlich, v. a., wenn man für das Backrezept z. B. Zutaten kleingehackt benötigt. So hat man alles an einer Maschine. Die genannte Kopplungsstelle oben und eine zweite an der Seite des Rührkopfs sind durch eine magnetische anhaftende Abdeckung während des Normalbetriebs verschlossen. Lästig ist der nicht sehr starke Magnetismus dieser Abdeckungen. Es ist mir schon oft passiert, dass die Abdeckungen durch schnelle Bewegungen beim Handhaben der Maschine weggeflogen sind. An diesen Stellen wäre eine stärkere Anhaftung wünschenswert.

© Bernhard Lux
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